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Wer will schon Verleger sein?


Elmar Weixlbaumer


(Leseprobe)


Was ein Verleger mit einem Gemüsegroßhändler, sein Schreibtisch mit einem Hochhaus und das Verlagswesen mit einem Zoo zu tun haben und warum es Sinn macht, sich als angehender Buchverlags-Boss Gedanken über Autos und Waschmittel zu machen.


Es wäre vielleicht interessant, diese Frage von Kindern beantworten zu lassen: Wer will später mal Verleger werden? Also nicht Feuerwehrmann (wollen das die Jungs heute noch?), Pilot oder Germanys Next Topmodel. Nein, Verleger. (Natürlich zielt die Frage auf Mädchen und Jungs gleichermaßen, man möge also im Stillen die Pilotin, die Feuerwehrmännin etc. ergänzen.)

Vermutlich finden sich nicht viele Heranwachsende, die den Berufswunsch »Verleger« mit sich herumtragen. Dabei wäre er so einfach zu erfüllen (im Unterschied zu Germanys Next Topmodel): ein paar hundert Euro für die erste digital gedruckte Auflage, einen Autor, der glaubt, etwas Lesenswertes geschrieben zu haben – und schon kann es losgehen. Keine gewerberechtlichen Hindernisse stehen dem Bedürfnis, Bücher herauszubringen, im Wege, kein Studium ist erforderlich, keine besonderen Kenntnisse sind vonnöten. Selbst wenn der hoffnungsvolle Jungverleger kein Gefühl für die deutsche Sprache hat – was für die meisten als Voraussetzung gelten würde – kann dem leicht abgeholfen werden, indem er entweder nur Tabellenwerke verlegt, zur Baustatik vielleicht, oder sich eine fähige Lektorin sucht.

Nun wissen wir, dass bestimmte Voraussetzungen, vor allem wenn es strenge sind, einen gewissen Raster über die Bevölkerung legen. Wer beispielsweise Arzt werden will, muss mit dem Gedanken umgehen können, sechs bis zehn Jahre lang unvorstellbar langweilige, taxative Aufzählungen von Knochen, Muskeln, Krankheiten und Chemikalien auswendig lernen zu müssen. Und zwar ohne die geringste Möglichkeit, diese Auswendiglernerei in irgendeiner Form hinterfragen, verändern oder umgehen zu können. Wer dagegen beschließt, Rechtsanwalt zu werden, sieht sich einem ebenso langen und mühseligen Studium gegenüber, das aber – im Unterschied zur Medizin – dem Studenten nicht physikalisch belegte Fakten aufzwingt, sondern ausschließlich Lehrmeinungen, die durch nichts beweisbar sind und von Juristen stammen, die schon hunderte Jahre tot sind. Das erfordert einen gänzlich anderen Charakter als beispielsweise jenen eines Chemiestudenten, der beim geringsten Zweifel an der Kompetenz seines Professors selbst ausprobieren kann, ob dieser Recht hat. Und so etwas prägt einen Menschen im Laufe seines Studiums.

Jeder, der einmal seine Zeit an Universitäten abgesessen hat, weiß dies aus eigener Beobachtung: Die Kolleginnen und Kollegen des Physikalischen Instituts sind gänzlich andere Menschen als jene an der Soziologie, und diese unterscheiden sich wieder fundamental von Theologen. Jeder Student im höheren Semester könnte vermutlich fehlerlos aus einer Stichprobe die meisten Studenten ihren Fakultäten zuordnen.

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