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Artemis und die kleine Meerjungfrau


Sven Hakon Rossel


(Leseprobe)


Hinter den beiden weiblichen Namen des Titels dieses Essays verstecken sich zwei Versuche aus meinen jüngeren Jahren, mich – mit einem Zeitabstand von etwa 25 Jahren – als Verleger zu etablieren. Der folgende Rückblick umspannt somit nicht wenige Jahre und präsentiert Erfahrungen, die ich als Verlagsleiter – und leider auch bloß als Verlagsamateur – auf zwei Kontinenten gemacht habe.

Meine Beschäftigung mit Büchern begann in meiner Kindheit mit den Märchen des Dänen Hans Christian Andersen und den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Im Alter von acht bis neun Jahren wurde die Märchenwelt jedoch von der tapferen Gestalt des Robin Hood verdrängt, von einem mir damals unbekannten Autor namens Howard Pyle. Es ging um Kampf und Drama, und somit machten Kinderbuchklassiker wie Johanna Spyris Heidi-Romane mit ihren idealisierten Bildern aus den Schweizer Alpen kaum noch Eindruck. Gerade noch genießbar waren die Nonni-Bücher des isländischen Autors Jón Sveinsson, der vor allem in den Zwischenkriegsjahren in Deutschland einen Riesenerfolg hatte.

Die nächste Station auf dem Weg zum Bücherwurm waren die Romane meiner Jugendjahre, die fast alle von ausländischen Autoren wie Jules Verne, Frederick Marryat, Walter Scott, Alexandre Dumas und Daniel Defoe verfasst wurden und deren Werke in der Kinderbibliothek meiner Heimatstadt Kongens Lyngby zu bekommen waren. Sie wurden von mir in ihren dänischen Übersetzungen verschlungen. Außerdem wurde eine Reihe dänischer Autoren, die im Ausland unbekannt geblieben sind, wie Bernhard Severin Ingemann, Carit Etlar, Anders Christian Westergaard, Rudolf Bruhn oder Cai Schaffalitzky de Muckadell von mir verschlungen.

Diskreter, und teilweise von meiner Mutter unentdeckt, las ich die billigen Groschenromane vom Schwarzen Piraten, deren Autor anonym war, Rocambole des Franzosen Pierre Alexis Ponson du Terrail und Detektivgeschichten mit Norman Conquest als unbesiegbarem Helden des englischen Pseudonyms Berkeley Gray, der besser für seine Detektivserie über Sexton Blake bekannt ist.

Die Lektüre meiner Schulzeit war von zwei unglaublich inspirierenden Lehrern beeinflusst: in der Mittelschule Svend Poulsen, der meine Liebe zu den dänischen Nobelpreisträgern Henrik Pontoppidan und Johannes V. Jensen begründete, und in der Oberstufe Hans Bang, dessen Ausbildung als Komparatist an der Universität Kopenhagen von der ersten Unterrichtsstunde an zu spüren war. Bei ihm lasen wir Komödien des dänisch-norwegischen Aufklärers Ludvig Holberg und eine Reihe von Prosawerken von Autoren des 20. Jahrhunderts, wie Hans Christian Branner, Martin A. Hansen oder Knud Sønderby. Zu diesem Zeitpunkt – um 1960 – faszinierten mich die groß angelegten französischen Familienromane, so etwa Jules Romains’ Die guten Willens sind und Roger Martin du Gards Die Thibaults. Später las ich auch John Galsworthys Die Forsyte-Saga und Thomas Manns Die Buddenbrooks. Es folgten Schlag auf Schlag Werke von Honoré de Balzac, Émile Zola, Anatole France, Charles Dickens, William Thackeray und nicht zuletzt Heinrich Heines unsterbliche Liebesdichtung. Es wurde ferner zur Tradition, dass ich jeden Frühling die poetischen Naturschilderungen in Joseph von Eichendorffs Juwel eines Romans Aus dem Leben eines Taugenichts in vollen Zügen genieße, welcher von dem schwärmerischen Umherstreifen eines jungen verliebten Müllersohns erzählt.

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