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Ghostwriting: Schreiben hinter dem Vorhang


Daniela Pucher


(Leseprobe)


Ja, ich bin so ein Geist, der Autoren den Platz im Rampenlicht ermöglicht. Warum es manchmal gut ist, das Schreiben einem Profi zu überlassen. Weshalb nicht nur Autor, sondern auch Verleger nur Vorteile daraus ziehen. Haben Sie Lust auf einen Blick hinter den Vorhang?


Als der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan nach seiner Autobiografie gefragt wurde, soll er geantwortet haben: »Oh ja, ich habe gehört, dass es ein tolles Buch ist. Eines Tages werde ich es bestimmt lesen.« Es ist kein Geheimnis, dass er seine Memoiren nicht selbst geschrieben hat. Der Journalist und Autor Robert Lindsey hat das für ihn getan. Man kann mit gutem Gewissen sagen, dass die meisten Promis schreiben lassen; nicht zuletzt, weil ein Buch viele Monate Zeit kostet, die sie nicht erübrigen können. Ob Promi oder nicht, unter dem Strich sind es drei Gründe, weshalb ein Ghostwriter ins Spiel gebracht wird: Man hat keine Zeit, keine Lust oder man kann es nicht.

Ghostwriter gibt es, seit es die Schrift gibt. In einer Zeit, als das Schreiben und Lesen nur eine Elite erlernen konnte, war das auch dringend notwendig. Selbst mein Großvater, zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren, war quasi einer: Als einer der Wenigen, die schreiben konnten, half er den Bauern in seiner Umgebung beim Ausfüllen von Formularen und beim Aufsetzen von Briefen – und natürlich las er ihnen auch vor, was sie nicht selbst lesen konnten. So gesehen stehe ich also mit meinem Beruf nicht nur in einer sehr alten Handwerkstradition, sondern habe auch eine genetische Prädisposition.

Nun können Sie einwenden, dass heute doch fast jeder Mensch in Mitteleuropa schreiben und lesen kann und mein Berufsstand längst ausgestorben sein müsste. Dass es ja fast verwerflich ist, wenn jemand schreiben lässt, anstatt das selbst zu tun. Wenn ich mich fremden Menschen als Ghostwriterin vorstelle, errege ich regelmäßig Aufmerksamkeit. »Was, Sie haben die Arbeit und ein anderer erntet die Lorbeeren?« – »Nun«, antworte ich, »ich werde angemessen dafür bezahlt.« Oder: »Wow, Sie müssen aber klug sein, wenn Sie über so viele verschiedene Themen ganze Bücher schreiben können.« – »Zu viel der Ehre«, sage ich, »es ist das Wissen meiner Autoren, nicht meines.« Als mich einmal einer meiner Autoren seinem Geschäftspartner vorstellte, kriegte der große Augen und meinte: »Da leben Sie aber ganz schön gefährlich!« Ich blickte verunsichert, und er grinste. Da wäre doch dieser Film »Der Ghostwriter« von Roman Polanski (nach dem Buch von Robert Harris), in dem ein Ghostwriter das Pech hatte, den falschen Auftrag angenommen zu haben. Er musste um sein Leben rennen. Also ich sage es gleich: Ich bin seitdem bis auf die Zähne bewaffnet. Wenn ich bedroht werde, werfe ich mit Füllwörtern und Adjektiven um mich, ich schwöre!

Ob die Reaktionen nun positiv oder kritisch sind: Das Thema Ghostwriting lässt fast niemanden kalt. Das liegt wohl daran, dass Ghostwriter oft im Verborgenen agieren und niemand so genau weiß, was da passiert. Da tun sich zwei zusammen und mauscheln irgendetwas hinter dem Vorhang – sehr suspekt! Ein Nährboden für Gerüchte und lebhafte Fantasien. Selbst Menschen, die meine Dienstleistung buchen wollen – und man annehmen könnte, dass sie wissen, was sie da suchen –, stellen gewöhnlich die Frage: Was ist Ghostwriting eigentlich genau? Meine Antwort ist einfach: Ich schreibe Ihr Buch so, als hätten Sie es geschrieben, hätten Sie die Zeit und/oder das Knowhow dazu.

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