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Das Buch ist Ware und Inhalt!


Das Interview mit Walter Famler führte Daniel Resch.


(Leseprobe)


Was nicht auch physisch vorhanden ist, wird irgendwann gänzlich verschwunden sein – davon ist Walter Famler, ehemaliger Buchverleger und Herausgeber der Zeitschrift Wespennest, überzeugt. Im Interview erklärt er, wie er zum Verleger wurde, welche Fähigkeiten auch heute noch dafür notwendig sind und warum er fest an die Zukunft des physischen Buches glaubt.


Herr Famler, Sie sind Verlagsbeirat für das Bundesministerium für Kunst und Kultur, Journalist, Verleger, Autor und mittlerweile nicht mehr Herausgeber, aber immer noch Redakteur beim Wespennest, der »Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder«. Wie sind Sie zum Schreiben, Verlegen und Autorsein gekommen?

Famler: Ich bin ein absoluter Dilettant. Ich habe keine Ausbildung in diesem Bereich. Leute wie ich kommen aus einer Praxis, die völlig anders war, als es heute üblich ist. Meine ursprüngliche berufliche Ambition lag eher im politischen Feld. Ich war sehr früh in der Gewerkschaftsjugend und der Schülerbewegung aktiv, später auch im Umfeld der Hochschülerschaft. Auch was die »Schreiberei« betrifft, komme ich aus der politischen Ecke, habe Schülerzeitungen und Flugzettel fabriziert. Dadurch habe ich bis heute einen pragmatischen Literatur- oder Publizistikbegriff, der sehr ideologisch ist. Gegen Texte, die rein werbetechnisch sind oder sich nur mit Ästhetik beschäftigen, hege ich eine fundamentale Skepsis.


Wie würden Sie diesen ideologischen Publizistikbegriff definieren? Und worauf stützt er sich?

Famler: Auf alles, was damals, in den 1960er- und 1970er-Jahren, an linker Ikonografie zu bekommen war. So große Autoren wie Pier Paolo Pasolini waren für uns Role-Models. Es war damals für einen Schüler- oder Studentenzeitungsredakteur unglaublich leicht, ein Interview beispielsweise mit dem damaligen Kommunisten Martin Walser zu führen. Wir hatten die Möglichkeit, schon als Maturanten das zu machen, was wir wollten, denn wir standen noch nicht unter dem Druck, den Studienabschluss in drei oder vier Jahren zu erreichen. Wir hatten noch das Privileg, mit einer gewissen antiautoritären Haltung und durchaus von der Wirtschaftwunderzeit der 1950er- und 1960er-Jahre profitierend herauszugehen. Ich bin in meiner Generation nicht alleine damit, wenn ich immer wieder denke: »Komisch, dass wir das irgendwie alles so hingekriegt haben!« Irgendwann merkt man aber, dass dieses Funktionenbündel, von dem zu Beginn die Rede war, immer dieselbe Tätigkeit ist. Das sind Managementjobs. Ich glaube, dass ein Lebenslauf wie meiner im Kultur- und Kunstbetrieb heute wahrscheinlich nicht mehr möglich wäre.

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